Wenn man jemanden kennenlernt, gibt es viele gemeinsame erste Male. Das erste Date, der erste Kuss, der erste gemeinsam beendete Satz. Die ganze Welt strahlt und ist farbenfroh, wenn man verliebt ist. Man lächelt immerzu und das tägliche Abschiednehmen am Abend von dem Geliebten, ist von längerer Dauer, als ein kleiner Abschiedskuss. Komplimente fließen in Hülle und Fülle. Kitschige SMS und mit Liebesbeweisen getränkten E-mails überfallen täglich unseren Weg.
Doch was machen, wenn es träge wird? Wenn der Geliebte einen für Selbstverständlich nimmt. Man bekommt keine Komplimente mehr, ohne danach gefragt zu haben. Man bekommt auf die Frage: “Liebst du mich?” nur ein simples “Ja.”, worauf einem danach der Rücken zugedreht wird. Die Worte werden verschluckt, das Gedachte für sich behalten. Im Freundeskreis und in der Familie gibt man sich unverändert harmonisch, um nicht öffentlich preis zu geben, das man keine perfekte Beziehung führen kann.
Es kann nicht immer perfekt laufen. Aber muss es deshalb so drastische Ausmaße annehmen, dass man sich selber deswegen verrückt macht und nicht mehr weiss, wo man in der Beziehung steht? Es bringt einem nichts sich Tag ein Tag aus darüber Gedanken zu machen, ohne mit dem Partner über sein Empfinden zu sprechen. Es führt nur dazu, dass man alles unterdrückt, in sich reinfrisst und sich selber unter Druck setzt, bis es, in einem eigentlich ruhigen Moment, aus den Nähten platzt und man alle Probleme und missverstandenen Ereignisse auf den Tisch packt und dem Partner alles auf einmal an den Kopf wirft. Das wäre nicht der einzuschlagende Weg, noch wäre er zu empfehlen. Niemand lässt sich gerne Stundenlang von Dingen erzählen, die man wohl oder übel nicht standesgemäß gelöst hat oder Beziehungsrechtsmäßig vernachlässigt hat.
Jeder Mensch kann sich so ungefähr denken, wie man sich in einer Beziehung zu einem geliebten Menschen zu verhalten hat und doch machen wir meistens alle immer noch die gleichen Fehler: Wir reden zu wenig. Genauso wie wir alle Fehler machen, haben wir alle seid dem Windelalter die Sprache mitbekommen. Warum nutzen wir sie nicht dazu, uns das Leben einfacher zu gestalten und es nicht von kleinen (banalen) Beziehungsproblemchen zu erschweren.
Meine “kleinen” Beziehungsproblemchen haben sich damit geklärt, dass wir uns endlich anschrien, uns Wörter an den Kopf warfen, die einem schon lange auf der Zunge lagen und endlich Schluss damit machten, wir wollten nicht mehr. Ich gab mich komplett hin, vernachlässigte alles andere und wurde unglücklich. Er machte in der Beziehung immer wieder Fehler und brachte es nicht übers Herz, sie wieder gut zu machen oder sah sie nicht mal dann, wenn man ihm davon erzählte.
So etwas gibt es nur allzuoft. Man hat unterschiedliche Vorstellungen von einer festen Beziehung und irgendeiner wird dabei immer verletzt.
Ich habe für mich nach einigen Wochen gemerkt, dass es mir um einiges besser ohne ihn ging. Ich konnte mich wieder um mich selbst kümmern und hab mir auch endlich seid Jahren wieder etwas gegönnt. Auch wenn es mir fehlt, sich an jemanden den man liebt rankuscheln zu können, kann ich behaupten, dass ich jetzt glücklicher bin als zuvor. Ich habe meine Freiheit wieder und kann vom Glück reden, das wir nicht geredet haben. Aber das ist einer der seltenen Einzelfälle, bei denen man zurückblickend alles richtig gemacht hat, auch wenn es für den ersten Moment sich alles wie ein Untergang der Welt abspielte.
Ich hab mein alleiniges Glück wieder gefunden und fange jetzt damit an, mein Glück zu zweit zu suchen und zu finden.
de Jeina <3