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Immer wieder bekomme ich gesagt: „Hab nicht so ein lautes Mundwerk!“ oder „Reiß deine Fresse nicht so weit auf!“. Ich fühlte mich dann jedes mal schlecht, weil ich wieder die vorlaute kleine Zicke war für die ich mich nicht halte. Ich bin keine Zicke und werde nie eine sein. Ich habe von Zicken ein anderes Bild vor Augen, als die Menschen um mich rum zu von mir. Ich sehe keine Zicke in dem Moment.
Um zu verstehen was ich meine muss man die Verhältnisse zwischen meiner Umgebung und mir kennen. Ich bin die Kleinste von 3 Kindern.
Ich hing als Kind immer an Mama´s Rockzipfel. So richtig Klischee. Meine Mutter war meine Heldin. Wenn ich gefragt worden war, was ich später einmal werden will hatte ich immer gesagt: „Meine MAMA!“. Mittlerweile denk ich mir: „Kinder sagen viel Schwachsinn!“ Sie war die Chefin im Haus. Hat sich um alles und jeden gekümmert. Fand sogar noch Zeit mit uns Kindern immer mal wieder etwas chickes zu basteln. Schade, dass das untergekommen ist. Ich bastle gerne.
Mein Bruder war der Witzbold und meine Schwester… naja… die undefinierbare Älteste von allen. Ich weiss nicht wie sie früher war. Ich weiss nur, dass sie sich immer mit meinem Bruder um ziemlich dämliche Dinge gestritten hat und dann immer auch gleich anfing zu weinen. Ich aber auch genauso. Kleines Mädchen halt. Immer am heulen damit die anderen die Schuld kriegen. Nennt man umgekehrte Psychologie. Ich war also früher schon begabt!
Das mit dem Weinen hab ich auch heute teilweise noch drauf. Ich bin aber taffer als damals, als ich mich noch hinter Mama verstecken konnte. Mittlerweile bin ich auch größer als sie, also würde es gar nicht mehr gehen.
Mein Vater war der Unparteiische. Er war in der Woche viel arbeiten. Wir hatten ihn nur in der Woche abends kurz gesehen und am Wochenende. Ich hab noch Bilder im Kopf, wo er dann nach der Arbeit nach Hause kam und ich mich jedes mal so sehr freute das ich ihn fast umgerannt habe!
Nach der überwältigten Begrüßung legte er sich meistens aufs Sofa und dann mussten wir auch schon ins Bett. Um ihn öfters zu sehen bzw. mehr von ihm zu haben, tat ich immer so, als ob ich einen Albtraum gehabt habe und schlich mich in ihr Zimmer und wurde dann irgendwann Nachts wieder in mein Bettchen gelegt. Ich hab immer ganz genau gemerkt wie er dabei grinste, als ob er wusste, dass ich gar nicht schlafe sondern nur so tue, um die Vaterliebe noch mal einen Moment zu genießen! Er war halt immer der liebevolle, aufopfernde Vater den sich jedes Kind wünscht. Ich kann mich an keinen schlechten Moment aus der Kindheit erinnern, den ich mit meinen Vater in Verbindung bringe.
Und jetzt kommen wir zu dem Problem Aufbau.
Meine Eltern fingen an sich zu streiten da war ich so um die 11-12 Jahre alt. Ist jetzt auch nicht so jung, aber da ich (nach meinen Erinnerungen zufolge) immer etwas schüchterner und alberner war als anderen Vorstadt Kinder in dem alter, konnte ich es nie ertragen zu sehen wie sie sich gestritten haben. Die beschissenste Situation war auch noch, da saß ich hinten in der Sofa-ecke und meine Eltern stritten sich in der Küche die nur um eine Kurve entfernt im gleichen Raum ist. Als sie mitten drin waren kam ich heulend aus der Ecke raus und fragte ob sie sich nicht mehr lieb haben. Sie guckten ganz geschockt und fragten mich ob ich da schon die ganze Zeit war. Ich nickte nur und fing noch mehr an zu schluchzen. Doch anstatt zu mir herzukommen schickten sie mich nach oben in mein Zimmer. Irgendwann kam Dad hinterher und meinte nur, das ja alles okay sei und das Eltern sowas ja brauchen. Ich hatte es natürlich nicht verstanden, aber ich hab mir selber gesagt, dass wenn es nochmal vorkommt will ich nicht mehr weinen. Dad hat es mir ja so erklärt, dass es normal sei sich so dermaßen in die Haare zu kriegen. Also wollte ich auch nicht wegen so etwas weinen. Sonst wäre ich von meinen Bruder wieder als Weichei beschimpft worden und würde wieder weinen. Wie gesagt: weinen konnte ich damals sehr gut.
Als sie sich eine Wochen später wieder stritten saß ich auf der Treppe und lauschte alles mit. Ich wollte testen ob ich es aushielt nicht in Tränen auszubrechen. Die ersten Male weinte ich noch ein bisschen, doch irgendwann hörte es auf und ich fand sogar die Worte sehr lustig und interessant die sie sich an den Kopf warfen. Ich hab meine eigene Methode gefunden nicht mehr ganz so verweichlicht zu sein. Ich hab mir die Worte gemerkt. Ich hab die Worte benutzt. Wenn mir gesagt wurde in der Schule wo ich denn diese Worte her habe und man dürfte doch so etwas „böses“ nicht sagen meinte ich nur: „von meinen Eltern“. Ab da fing es an das mir meine Eltern beide nicht mehr so geheuer waren, weil ich wegen ihnen ärger in der Schule bekam, weniger Freunde hatte und eine Mauer aufgebaut hatte. Ich musste mich verteidigen lernen. Ich fing an mein Mundwerk aufzubauen. Ich fing bei meiner Schwester an sie runter zu machen. Irgendwann war dann mein Bruder dran was nicht ganz so klappte und auch heute noch nicht geht. Er hat es halt drauf.
Die paar Freunde die ich noch hatte fanden es lustig und hilfreich, da sie ja das gleiche Problem hatten wie ich. Gleich und Gleich gesellt sich gern. Wir waren die Außenseiter. Wir hingen nie in den Pausen mit den „Coolen“ in der Klasse rum und haben mit denen „Wahl Wahrheit oder Pflicht“ gespielt. Meine Eltern haben auch immer öfter angefangen sich zu streiten. Irgendwann gesellte sich abends mein Bruder zu mir auf die Treppe um den beiden zuzuhören. Er fand es genauso lustig. Bis er von der Schule mehr als nur einen blauen Brief bekommen hatte. In der Schule hatte ich mir irgendwann diese Mauer so doll aufgebaut, dass ich immer dachte ich wäre ja die „Coole“ und nicht die. Was mein großes Mundwerk nur noch verstärkt hatte. Meine Freunde machten es mir gleich. Wenn wir bei ihnen zuhause waren und ich mit ihren Eltern kurz geredet hatte, wurden die schon immer gleich skeptisch ob ich der richtige Umgang für ihr Kind wäre. Ich wurde von meinen Eltern gebrandmarkt.
Diesen Eindruck denn andere von mir haben, werde ich nicht so einfach los. Ich bin immer die Hochnäsige, kleine Zicke mit der großen Fresse. Ich sage immer frei heraus was ich denke. Eine Freundin hat das auch ganz genau erkannt. Sie sagte zu mir ich wäre schon weiter als meine Geschwister und meine Cousins. Ich würde einiges mehr im Kopf haben als die. Ich würde es nur falsch einsetzen. Doch wie setzt man sein Wissen nach jahrelanger falsch Verwendung nun richtig ein? Bei einer Geburtstagsfeier war diese Freundin auch dabei. Und ich saß mit meiner Schwester für eine Weile an deren Tisch. Musik lief im Hintergrund und ich fing an zu singen. Meine Schwester steig mit ein. Bis ich ihr dann sagte sie solle doch ihren Mund halten sie könne ja gar nicht singen. Da war sie halt schon wieder. Diese große Fresse. Meine Freundin guckte mich nur verdutzt an und dachte sich ihren Teil. 2 Wochen später sagte sie zu mir ich sollte doch so etwas lieber anders sagen so nach dem Motto: „Ich gebe dir mal einen Tipp…!“, da reagieren die Leute anders als wenn ich sofort raus brülle was ich denke. Dann kommt nur wieder: „Ach da brauchen wir ja gar nicht drauf hören, kam ja eh nur von Melina!“ Sie meinte ich darf die Nase nicht höher strecken als die der anderen. Immer mit dem Strom fließen aber den Strom führen. Sie sagte zu mir ich solle sie dahin lenken wo ich sie haben möchte und irgendwann fressen sie mir aus der Hand. Ihnen immer unterbewusst zu wissen geben was ich möchte und sie erledigen es. Zum Schluss sagte sie noch: „Irgendwann stehst du da oben und wirst daran denken was ich zu dir gesagt habe:
Lenke den Strom aber fließe mit ihm!“.
Wenn ich so recht überlege kommt das alles ziemlich gut auf. Mein Motto ist ja: „Lebe so als wäre alles Absicht!“ Dieses Motto habe ich schon seid mindestens 5 Jahren. Also mit 14 für mich entdeckt und auch so mein Leben geführt. Meine Lebensphilosophie steht also definitiv fest und genau das muss ich irgendwie noch verewigen damit ich es nicht vergesse wie ich mit welchen Mitteln wo hinkommen will! Ich hab immer gedacht ich muss meiner Familie etwas beweisen. Ich lag falsch. Die haben mich gar nicht zu interessieren genauso wenig wie deren Kommentare zu meinen Taten. Ich weiss was ich mache und wie es mir hilft. Das sie nicht so gerissen sind wie ich oder neidisch auf das was ich erreiche ist mir egal. Ich ziehe mein Ding durch und lass mich von niemanden aufhalten. Ich habe ein Ziel vor Augen und das möchte ich auch erreichen. Und zwar ohne eine Mauer aus Schimpfwörtern und Respektlosigkeit aufzubauen. Ich möchte mit anderen Leuten klar kommen. Aber mich nicht zu sehr auf sie konzentrieren das ich mein Ziel vergesse. Ich möchte das die Leute meine Ratschläge annehmen und ich daraus auch profitiere. Ich möchte niemanden um seinen eigenen Willen bringen. Ich möchte ihnen nur den rechten Weg zeigen. Ich möchte andere davon überzeugen, dass ich davon überzeugt bin damit sie andere wiederum überzeugen.
Ich weiss nicht wie das für euch klingt. Ich weiss nur ich habe keinen Bock mehr darauf zu hören, wenn andere mir negative Kritik geben und ich versuche etwas zu ändern, was eigentlich für mich gerade perfekt ist. Bisher haben sie mich geleitet, jetzt leite ich sie. Ich lasse es nicht mehr bei jedem zu sich in mein Leben einzumischen und sein Kommentar abzugeben wenn derjenige mich kaum kennt. Diese Leute haben keinen Einblick bekommen aus meiner Vergangenheit und wissen nicht wer ich wirklich bin. Schon alleine immer diese Schubladen denken, wenn man jemanden das erste Mal sieht. Ich erwische mich selber auch oft dabei, aber im Grunde ist es genau das was ich hasse. Schlimmer weise stimmt es aber in den meisten, sehr auffälligen Fällen des Schubladendenkens, was man sich da zusammen dichtet. Wenn ein Penner am Straßenrand da schläft denk ich sofort „ Alkoholiker“. Aber was mache ich dann? Ich kauf ihm ein belegtes Brötchen vom Bäcker in einer Tüte und leg es ihm vorsichtig unter den Arm damit er es gleich sieht, wenn er aufwacht. Es klingt nicht so als ob ich das wirklich tun würde, aber so ist es. Ich wurde auch von solchen Leuten, die auf der Straße leben und denen ich etwas zu essen gegeben habe schon in Schubladen gesteckt. Ich wurde als Schlampe beleidigt und mir wurde hinterher gespuckt. Sie wollten kein Mitleid. Waren aber gleichermaßen froh etwas zwischen die Zähne zu kriegen. Diese Menschen haben Trotz allem was ihnen passiert ist noch Achtung vor sich selbst und fühlen sich auch nach Jahre langem leben auf der Straße verletzt, wenn die Menschen sie so sehen wie sie aussehen. Und du wirst komisch angeguckt, wenn du auf der Straße sitzt und bettelst. Ich glaube nicht das sie es sich selber ausgesucht haben. Job verloren, Partner verloren, Wohnung verloren, Freunde verloren, Familie verloren. Was würdet ihr dann machen? Entweder Prostitution im härtesten Fall oder betteln bis du dir eine warme Decke leisten kannst. Ich würde mich auch verletzt und nichtsnutzig fühlen. Ich würde genauso reagieren wenn die Leute aus Mitleid mir etwas zu essen geben und nicht weil sie mich mögen oder mich kennen. Ich wäre froh über jedes Stückchen Brot was ich finden würde. Und genauso fühle ich mich, wenn meine Familie mit ihrer konstruktiven Kritik bei mir ankommt und keinen einzigen Rat von mir annimmt. Ich fühle mich beleidigt und verletzt. Ich würde sie dann auch am liebsten anspucken so wie mich der Obdachlose angespuckt hat. Ich denke wie ein Obdachloser!
Jetzt steckt mich mal in eine Schublade! Was bin ich nun?
1. Die Oberzicke mit der großen Fresse?
2. Die Machthaberin die den Leuten nicht ihren Willen lässt?
3. Oder die Großzügigkeit in Person die denkt wie ein Obdachloser?
De Jeina18